Wednesday, January 4, 2017

Denon PMA-980R Behebung von "springendem" Eingangs-/Lautsprecherwahlknopf (German)

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 Was tun, wenn der Denon PMA-980R "spinnt"?



Wenn ich nicht irgendwann bei Revox gelandet wäre, dann würde vermutlich noch heute ein PMA-980R für meine tägliche Beschallung sorgen. Mein erster "richtiger" Verstärker war ein Denon PMA-360, angenehm minimalistisch und mit gutem Sound. Allerdings gehörte für mich irgendwann dazu, dass jedes Gerät in der Anlage fernbedienbar sein sollte. Als der PMA-980R auf den Markt kam, war das für mich der absolute Volltreffer. Denon hatte bereits bewiesen, dass wir zueinander passen. Dazu noch ein schwer verarbeitetes grundsolides Gerät mit Ringkerntrafo, vielen Relais, Record Selector, Source Direct-Schaltung, und natürlich fernbedienbar, außenherum fast nur Metall, einschließlich der wichtigsten Bedienknöpfe für eine ausgezeichnete Haptik, eine fette Aluminiumfront, großzügig dimensionierte Kühlkörper und ein Metallchassis bringen den Verstärker auf knapp 10kg. Das klangliche Potential kann heute noch mithalten, dank der verwendeten sehr hochwertigen Sanken-Endstufentransistoren. Damit auch die Lautstärke fernbedienbar ist, hat man recht kompromisslos ein hochwertiges Potentiometer mit einem Stellmotor kombiniert, so dass die Regelung sowohl am Gerät als auch via Infrarot ohne Einschränkungen funktioniert. Digitale Lautstärkeregelungen waren zu der Zeit zu teuer (für den Preisrahmen, den man für den PMA-980R vorgesehen hatte), oder hatten qualitativ zu große Einbußen. Damit die Lautstärke auch aus der Entfernung abgelesen werden kann, ist der Lautstärkeknopf beleuchtet.
Statt mechanischer Umschalter hat Denon konsequent auf Relais gesetzt und eine Mikroprozessorsteuerung zur Steuerung genutzt. Das Eingangssignal sowie die Lautsprechergruppen kann man unabhängig sowohl am Gerät als auch auf der Fernbedienung wählen.
Beide Knöpfe am Gerät sind endlos drehbar, haben also keinen Endanschlag, aber satt einrastende Stufen.
In der Theorie ist dieser technische Ansatz der langlebigere, weil die Signale gekapselte Relais durchlaufen und nicht offenliegende Kontaktflächen, die unweigerlich der Korrosion unterliegen und irgendwann zu unschönen bis gefährlichen Krachern und Kratzern beim Umschalten führen können, oder gar zu kompletten Ausfällen der Wiedergabe auf einem oder beiden Kanälen (vgl. die Onkyo-Verstärker-Reparatur hier).
Ein weiteres Plus bei der Konstruktion ist, dass die Signalwege schön kurz sind, weil die Relais direkt bei den Anschlüssen an der Rückseite sitzen. Darauf wurde auch beim Record Selector geachtet, der weit hinten bei den Anschlüssen sitzt und von der Front aus mit einem Bowdenzug bedient wird. Hier wurde das Prinzip, Signale möglichst schonend zu behandeln, gut umgesetzt.

Analyse der Konstruktion

Endlos drehbare Knöpfe lassen schnell vermuten, dass Encoder im Einsatz sind (vgl. meine Analyse eines Panasonic Jog/Shuttle-Elements). Die Denon-Designer haben sich allerdings etwas anderes einfallen lassen, und zwar eine Widerstands-Leiter, wie aus dem Service Manual deutlich wird. Im Grunde ist das ein Spannungsteiler mit zwölf Zwischenabgriffen. Hier die Pfade für die Lautsprecher (orange) und die Eingänge (grün):


Was gleich auffällt: es sind deutlich mehr Positionen möglich als eigentlich Eingänge und Lautsprechergruppen verfügbar sind. Während es sechs tatsächliche Eingänge gibt, gibt es zwölf Widerstandswerte, die sich aus der Schaltung ergeben könnten (10kOhm, 20kOhm etc... bis 120kOhm). Bei den Lautsprechergruppen gibt es vier (none, A, B, A+B), aber ebenfalls zwölf mögliche Schalterpositionen.
Ein wenig Reverse Engineering lässt mich vermuten, dass Widerstandwerte dieser zwei Schalter nicht fest einem Eingang bzw. einer Lautsprechergruppe zugeordnet sind, sondern dass der Mikroprozessor den aktuellen Wert mit dem vorhergehenden vergleicht und so die "Schaltrichtung" ermittelt.
Nur so erklärt sich, dass man an der Fernbedienung jeden beliebigen Eingang wählen kann, und wenn man dann den Drehknopf am Gerät nimmt, schaltet der Verstärker dazu relativ auf den vorhergehenden oder nächsten, je nach Drehrichtung. An Eingängen gibt es TAPE2, TAPE1, PHONO, CD, TUNER und AUX. Nach AUX wird wieder auf TAPE2 geschaltet und ebenso rückwärts von TAPE2 nach AUX.
Wäre der Widerstandswert fest mit dem Eingang verbunden, dann würde das Drehen um eine Raste nach rechts oder links nicht unbedingt den vorhergehenden oder nächsten Eingang relativ zum aktuellen nehmen, sondern eher relativ zur letzten Schalterposition. Außerdem müsste der Prozessor dann unterscheiden, wodurch zuletzt ein Eingang gewählt wurde. Wenn es die Fernbedienung war, müsste der Widerstandswert am Schalter ignoriert werden. Erst wenn sich dann am Schalter wieder etwas ändern würde, dann würde dieser Wert wieder bestimmen, welcher Eingang aktiv ist. Das ist sehr aufwendig und fehleranfällig, daher ist die Interpretation der Widerstandsleiter viel geschickter ausgelegt:
Angenommen, der CD-Eingang wäre "zufällig" bei 20kOhm aktiv, dann würde ein Wert von 30kOhm am FUNCTION-Eingang des Prozessors einfach den nächsten (Tuner) Eingang wählen, während der vorhergehende (Tape1) aktiviert wird, wenn 10kOhm anliegen. Es geht also eher um die Differenz des Widerstands im Vergleich zum vorher gewählten. Ist der neue Wert um 10kOhm größer als vorher, dann wird der nächste Eingang gewählt. 10kOhm kleiner als vorher aktiviert den vorhergehenden Eingang. Wenn der Schalter über die letzte Position hinaus wieder in die erste Position wechselt, beträgt die Differenz dann natürlich nicht +10kOhm, sondern -110kOhm. Ebenso bedeutet +110kOhm, dass der Schalter von der ersten Position zurückgedreht wurde und damit die letzte Stufe der Leiter erreicht. Das kann dann genau ausgewertet werden wie ein Delta von -10kOhm. Der Mikroprozessor dürfte das alles intern verwalten.
Beim Einschalten wird vermutlich der zuletzt gewählte Eingang aus einem gepufferten Speicher wieder eingelesen und mit der aktuellen Spannung des Eingangswahlschalters verknüpft. Die übrigen Spannungen werden dann relativ dazu interpretiert. Gleiches gilt für die Lautsprechergruppen.

Nachteil der verbleibenden "Mechanik"

Doch zurück zum eigentlichen Problem. Die korrodierenden Kontaktflächen hat Denon so weitestgehend aus dem Spiel genommen, indem die Signalumleitung komplett in gekapselten Relais passiert. Was aber nicht zu vermeiden ist, ist die Korrosion an den Schaltern, die die Widerstandsleiter abbilden. Und genau da liegt das Problem mit zufällig umschaltenden Eingängen und Lautsprechergruppen. Die Spannung, die sich durch die Schalterposition ergibt, ist nicht mehr eindeutig interpretierbar. "Rauschen" und Signalspitzen, die sich durch unsaubere Kontakte ergeben, irritieren den Prozessor und verleiten ihn dazu, anzunehmen, dass wie wild am jeweiligen Knopf gedreht wird. Zwar leidet in keinem Fall der Klang, aber viel Freude macht ein Verstärker in diesem Zustand auch nicht.
Das äußert sich dann durch eines oder mehrere Probleme dieser Art:
  • Knopf ist gar nicht mehr bedienbar (Gerät reagiert nicht)
  • von den LEDs um den Knopf herum leuchtet in schneller Folge eine immer nur kurz, teilweise "durchrollend" oder auch völlig zufällig. Derweil klickern die Relais fröhlich vor sich hin
  • die LEDs folgen nicht der Drehrichtung, sondern laufen andersherum oder ebenfalls zufällig
  • völlig ohne Betätigung des Knopfes ändert sich die Auswahl des Eingangs oder der Lautsprechergruppe, teilweise nur sporadisch/selten zwischendurch mal, teilweise dauerhaft
All dies geht normalerweise auf Korrosion oder Verschmutzung (wahrscheinlich beides) zurück und ist fast zum Nulltarif zu reparieren. Natürlich muss das nicht die einzige Ursache sein. Wenn die Versorgungsspannung des Prozessors nicht mehr ausreichend geglättet wird, kann dies ebenfalls solche Symptome hervorbringen. Dies kann z.B. durch ausgetrocknete Kondensatoren passieren. Wir konzentrieren uns hier aber auf die Ursache #1. Wenn die Behebung nicht helfen sollte, ist die genauere Untersuchung der Schaltung fällig. Das würde hier aber den Rahmen sprengen.

Reparaturansatz

Um zu den fraglichen Umschaltern zu gelangen, müssen wir folgendes tun:
  • Gehäusedeckel abnehmen (3 PH2-Schrauben pro Seite und 2 PH2-Schrauben hinten)
  • die Knöpfe für die Lautsprecher-/Eingangswahl sowie den Knopf vom Lautstärkeregler abnehmen (Achtung, der Lautstärkeregler ist beleuchtet und hat deshalb ein zweipoliges Kabel. Beim Abziehen nicht zu fest ziehen, damit das Kabel nicht versehentlich abreißt)
  • Frontplatte lösen (5 PH2-Schrauben auf der Unter- und 2 PH2-Schrauben auf der Oberseite)
  • diverse Kabelverbindungen zwischen Frontplatte und dem restlichen Gerät lösen (dazu ist es leider erforderlich, einige Kabelbinder durchzuknipsen, die nachher ersetzt werden müssen)
  • zwei Sechskantmuttern (11er) bei den Umschaltern für Lautsprecher und Eingang, diese verbergen sich hinter den abziehbaren Knöpfen und verbinden die Prozessor-Platine mit der Frontplatte. Sobald diese gelöst sind, kann man die Platine abnehmen
  • um die Platine vollständig lösen zu können, müssen noch zwei gesteckte Kabel, die nach rechts und links von der Platine wegführen, gelöst werden
  • bei beiden Umschaltern die Metallbrücke auslöten, danach den Umschalter selbst (je 13 Pins)
  • die Umschalter auseinandernehmen
  • alle Kontaktflächen gründlich reinigen
  • eine dünne Schicht Kontaktspray auftragen
  • Umschalter wieder zusammenbauen und einlöten
  • Metallbrücken wieder einlöten
  • Alles wieder zusammensetzen
Das Vorgehen wird in den nächsten Abschnitten genauer beschrieben.

Werkzeug

Wir benötigen:

  • PH2-Schraubenzieher
  • Ratsche / Knarre mit 11er-Sechskant-Nuss, um die Wahlschalter von der Frontplatte zu trennen
  • Seitenschneider, um die Kabelbinder durchzuknipsen
  • zum Auslöten: Vakuum-Entlötstation (empfohlen!) oder einen kräftigen Lötkolben und Entlötlitze
  • für den Wiedereinbau: Lötstation oder einen Lötkolben mit max. 20 Watt Leistung
  • eine stabile Radio-Zange o.ä., um die Schalter auseinanderzunehmen
  • optional zusätzlich einen flachen Schraubenzieher
  • zum Reinigen:
    • z.B. Küchentuch oder Toilettenpapier oder etwas weniger Fusseliges ;o)
    • Wattestäbchen (mindestens drei pro Schalter braucht man)
    • Isopropyl-Alkohol

Demontage

Gehäuse

Auf der linken und der rechten Seite des Verstärkers befinden sich je drei große schwarz lackierte Schrauben, die mit dem PH2-Schraubendreher entfernt werden können.
Auf der Rückseite an der oberen Kante sind außerdem zwei kleinere schwarz lackierte PH2-Schrauben, die herausgedreht werden müssen.
Danach lässt sich der Deckel nach oben abnehmen.

Frontplatte


Vor der Demontage der Frontplatte ist es ratsam, zunächst die drei großen Knöpfe abzuziehen, dies geht leicht und ohne Werkzeug. Den Lautstärkeregler verbindet noch ein weißes Kabel mit der Hauptplatine, also Vorsicht beim Abziehen!
Alle Kabelverbindungen, die die Frontplatte mit den übrigen Platinen des Verstärkers verbinden, müssen gelöst werden. Dazu müssen 5-6 Kabelbinder entfernt werden. Bitte beim Abziehen der Stecker nicht zu sehr reißen, damit kein Kabel von seinem Verbinder abreißt!
Die Front ist auf der oberen Seite mit zwei Schrauben ganz links und ganz rechts befestigt. Unten sind es weitere fünf baugleiche Schrauben. Es sind diejenigen, die der Frontplatte am nächsten liegen.
Nachdem die Schrauben entfernt sind, lässt sich die Frontplatte mit leichtem Widerstand nach vorne ziehen. Dabei Achtung wegen der Kabel! Merkt Euch gut, wo welche Kabel langgeführt werden, dies ist für den Zusammenbau wichtig. Ein Foto vom Zustand vor dem Zerlegen kann gute Dienste leisten.

Prozessorplatine von der Frontplatte trennen

Die Prozessorplatine war mechanisch nur durch die Sechskant-Überwurfmuttern der zwei Wahlschalter befestigt. Da diese bereits demontiert sind, sollte sich die Platine relativ leicht von der Front wegziehen lassen. Allerdings sind noch zwei weiße Kabel an der Platine eingesteckt, die zu anderen Komponenten der Frontplatte führen. Rechts ein dreipoliges am Verbinder CN3C zum IR-Sensor, links ein vierpoliges am Verbinder CN4A, das zum Source-Direct-Schalter und dessen LED führt.
Nun ist die Platine so weit gelöst, dass wir endlich einen freien Blick darauf haben:


Links und rechts ist jeweils der Umschalter zu erkennen und die eingelötete Metallbrücke, die ihn an der Platine befestigen soll. Über den Nutzen kann man streiten, weil die 13 Lötkontakte, die jeder Umschalter eh schon hat, eigentlich stabil genug sind. Sie sind uns auch gründlich im Weg, weil die Laschen, mit denen die Metallbrücken in der Platine stecken, auf der Gegenseite leicht verdreht wurden, bevor man sie festgelötet hat. Das ist zum Entlöten eine echte Herausforderung, weil eine große Fläche und viel Lötzinn aufgeheizt und entfernt werden muss. Die Laschen müssen zum Entfernen außerdem natürlich geradegebogen werden.
Hier noch eine Seitenansicht der Platine:


Entlöten der Umschalter

Zunächst muss also die Metallbrücke weg. Ich habe hierzu die Kontaktflächen mit relativ viel Lötzinn "geflutet", damit beim Entlöten die Hitze eine Chance hat, an alle entscheidenden Stellen zu kommen.
Mit der Entlötstation auf 325°C wurde dann alles so weit aufgeheizt, dass alles Lötzinn flüssig war. Hier sind ggf. mehrere Durchläufe notwendig, bis die Lasche frei genug ist zum Geradebiegen. Ggf. hilft es, die Lasche mithilfe einer Zange Richtung Front zu drücken, um sie freizubekommen.
Die Umschalter haben außen zwölf und innen einen weiteren Kontakt, alle müssen entlötet werden. Beim Einbau kann man nichts verkehrt machen, weil der Umschalter dank des 13. Pins nur in einer Position hineinpasst.
Da die Pins recht dick sind, und viel Lötzinn verwendet wurde, ist das Entlöten mit einer ensprechend großen Düse ratsam. Ansonsten geht aber auch Entlötlitze oder eine Entlötsaugpumpe mit Teflondüse, die man jeweils 1x "auflädt".

Demontage der Umschalter

Hier sind die beiden Umschalter und die Metallbrücken zu sehen:


Ein Umschalter von unten. Der Mittenkontakt ist rechts unterhalb von der grünen "Achse" zu sehen:


Der Umschalter besteht aus drei Teilen: der braunen Grundplatine, dem grünen Kunststoffteil mit dem Schleifkontakt, und darauf aufgesetzt die Achse und deren Halterung.
Die Halterung der Achse ist mit der Platine durch zwei aufgespreizte Metall-Enden pro Seite verbunden. Diese müssen zusammengedrückt werden. Da das Metall recht stabil ist, liegt es nahe, hier volle Kraft zu geben. Allerdings ist keine Gewalt angesagt, weil man sonst ggf. beide Metallzungen zu sehr verbiegt und sie nachher bei der Montage um so schwerer wieder in die Sollstellung bringt. Statt dessen habe ich die Zange beim Zusammendrücken immer wieder leicht in beide Richtungen gedreht und währenddessen eben nicht mit voller Gewalt zugedrückt.

Irgendwann sind die Metallzungen weit genug aus dem Weg, dass sich der obere Teil des Umschalters von der Platine entfernen lässt.
Nachdem ein kleiner Spalt zwischen Platine und Metall entstanden ist, kann man mit einem flachen Schraubendreher nachhelfen und ein wenig hebeln:


Schließlich ist Teil 1 der Demontage geschafft:


Um das grüne Kunststoffteil zu lösen, muss mann die vier Haken auf der Unterseite zusammendrücken:


Da dies ohne drei Hände recht schwierig ist, kann man auch zwei Haken zusammendrücken und währenddessen auf der Gegenseite leicht ziehen. Sobald die beiden Haken so weit in die Bohrung gerutscht sind, dass sie nicht in ihre ursprüngliche Position zurückschnappen, kann man die verbleibenden Haken nach innen drücken.
Das Resultat:


Deutlich ist zu erkennen, dass die Schleifkontakte stark verschmutzt sind. Die Oberflächen sind gelblich verfärbt (vermutlich vom ursprünglich aufgebrachten Schmiermittel + Staub etc.).
Nach dem ersten Abwischen mit einem weichen Zellstoffpapier sieht es schon einiges besser aus:


Nun kommt Isopropyl-Alkohol dran. Am Wattestäbchen fängt sich noch eine ganze Menge Schmutz. Hier sollte man nicht sparen. Einfach so viel Alkohol und Wattestäbchen benutzen, bis sich keine sichtbaren Verschmutzungen mehr am Stäbchen fangen.


Das Gegenstück, der kleine Schleifer in der grünen Kunststoffkappe, sollte ebenfalls vom Schmutz befreit werden. Verschmutzungen sind wegen der kleinen Oberflächen kaum zu sehen, aber trotzdem kann man hier ergiebig putzen.


Am Schluss sollte alles blitzblank sein. Wer ganz gründlich sein will, schleift die Kontaktflächen auf der Platine noch mit (sehr!) feinem Schleifpapier ab, dies ist aber nicht lebenswichtig.
Zu Kontaktspray hat jeder eine eigene Meinung. Z.B. halte ich nichts davon, Schalter ohne sie auszubauen mit Kontaktspray zu behandeln, weil der Schmutz, der das eigentliche Problem darstellt, den Schalter dann sehr wahrscheinlich nicht verlässt, sondern nur anders verteilt wird. Das kann kurzfristig helfen, aber der Schmutz muss für eine nachhaltige Reparatur schon ganz weg.
Der Hersteller hat ursprünglich irgendein Schmiermittel im Schalter aufgebracht, vermutlich als Korrosionsschutz. Ganz ohne Mittelchen besteht natürlich gleich wieder das Risiko, dass die Kontakte korrodieren, also schwarz anlaufen oder gar rosten, daher empfehle ich, eine dünne Schicht Kontaktspray, z.B. Teslanol, auf die Oberflächen aufzutragen. Aber eben wirklich nur eine dünne Schicht, die nachher mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar ist. Es bringt nichts, wenn alles schwimmt. Zu viel Kontaktspray wird nach dem Zusammenbauen nur auslaufen und sich im Gerät verteilen.
Kurz vor dem Wiederzusammenbau:

Zusammenbau der Umschalter

Dies ist im Grunde die obenstehende Anleitung rückwärts. Die grüne Kunststoffkappe kann man einfach wieder aufklipsen. Dabei gibt es keine Schlüsselposition, also einfach festdrücken.
Die Achse schiebt man so ein, dass sie mit den abgeflachten Seiten durch die grüne Kunststoffkappe läuft. Die Metallnasen kann man nach dem Einsetzen in die Platine mit sanfter Gewalt wieder so weit auseinander drücken, dass nicht alles gleich wieder auseinanderfällt. Sie nicht wieder zu befestigen, würde ich nicht empfehlen, weil dann alles ein gewisses "Spiel" entwickeln kann. Sobald die grüne Kappe und die Platine nicht fest aufeinander gedrückt werden, dringt Staub dort ein. Die Metallbrücken, die abschließend eingelötet werden, bauen nicht genug Druck auf, um das zu verhindern. Insofern ist es besser, den Achsträger wieder möglichst fest mit der Platine zu verbinden, bevor es weitergeht.

Einlöten

Die Schalter können nur in jeweils genau einer Position wieder richtig eingelötet werden. Da sie baugleich sind, ist es egal, welcher Schalter an welcher Stelle in der Platine wieder eingelötet wird. Wichtig ist nur, die Posistion des Mittelkontakt-Pins zu beherzigen, ansonsten lässt sich der Umschalter auch nicht an der Platine montieren.
Zum Einlöten kann es nicht schaden, zunächst nur einen Pin festzulöten und dann zu kontrollieren, ob der Umschalter insgesamt so weit in der Platine steckt wie möglich. Ggf. kann das jetzt noch leicht korrigiert werden.
Nachdem alle 13 Pins wieder sitzen, können Geübte schon einen ersten Funktionstest machen, indem der Verstärker so weit wieder zusammengebaut wird, dass zumindest alle Kabelverbindungen gesteckt sind. Die Schalter kann man leicht genug betätigen, dass die Knöpfe nicht aufgesteckt werden müssen.
Im Idealfall lässt sich jetzt kein "Herumspringen" mehr feststellen und der Prozessor reagiert prompt und ohne Aussetzer oder Sprünge auf Änderungen von Lautsprechergruppe und Eingangswahl.
Die Metallbrücken kommen als jeweils letzter Schritt. Ich habe mich dazu entschlossen, die Laschen auf der Lötseite nicht wieder zu verdrehen, damit die Arbeit das nächste Mal leichter von der Hand geht, sollte das noch einmal notwendig sein. Statt dessen habe ich die Metallbrücke nur durchgesteckt, dann von oben dagegengedrückt und gleichzeitig von unten festgelötet. Man kann der Brücke etwas Spannung mitgeben, so dass sie nicht nur gerade von oben auf dem Umschalter aufliegt, sondern leicht gebogen ist. Dann ist auf der Lötseite auch mehr Material vorhanden zum Festlöten.

Zusammenbau von allem

Nun kommt zunächst die Platine wieder auf die Frontplatte. Wer das nach oben wegführende 11-polige Kabel abgesteckt hatte, sollte dies zunächst auf der Prozessorplatine wieder einstecken, weil man nach dem Einbau nicht mehr herankommt. Auch die beiden seitlich wegführenden Kabel müssen erst wieder angesteckt werden, bevor die Platine wieder in ihre normale Position kommt.

WICHTIG: die LEDs werden auf der Frontplatte in relativ eng tolerierten Röhrchen geführt. Wenn eine LED nicht genau trifft, kann es passieren, dass sie seitlich wegknickt. Das äußert sich dann darin, dass eine oder mehrere LEDs nicht zu leuchten scheinen, wenn der Verstärker wieder in Betrieb ist und man alle Positionen durchschaltet. Beim Aufsetzen der Platine auf die Front ist deshalb ein gründlicher Blick von der Seite angeraten, um zu prüfen, ob jede LED ihre entsprechende Führung trifft oder nicht.

Bei meinem Exemplar war die Platine des IR-Sensors übrigens extrem locker. Sie wird nur seitlich durch zwei Kunststoffnasen gehalten, was nicht sonderlich fest ist. Dies wird kritisch, wenn man die Frontplatte wieder an das Chassis anschraubt. Die IR-Platine sollte man vorab extra prüfen, damit sie nicht irgendwo hinter der Front herumfliegt statt in ihrer eigentlichen Heimat. Dies würde nicht nur die Fernbedienung unmöglich machen, sondern kann auch zu Kurzschlüssen mit allen hässlichen Folgen führen.

Bevor man die Frontplatte final andrückt, bitte nochmals kontrollieren, dass alle Kabel auf demselben Weg verlaufen wie vor der Demontage. Kabel können auch zwischen Frontplatte und Chassis eine Schlaufe gebildet haben und deshalb zu kurz sein. Das lässt sich alles jetzt noch beheben, später, wenn die Front bereits festgeschraubt ist, nicht mehr so gut.

Die Frontplatte wird auf der unteren Geräteseite zwischen zwei Metallplatten gesteckt. Die obere Metallplatte ist die untere Abschlusskante der Chassis-Front, die untere Metallplatte gehört zum Geräteboden. Die Frontplatte wird mit ihrer unteren Metall-Lasche genau dazwischen geschoben:


Sollte hierbei ein Widerstand auftreten, dann passt vermutlich einer der Druckknöpfe nicht in die Führung der Frontplatte, Hauptverdächtige dabei sind dann die Loudness-/Subsonic- und Source Direct-Schalter. Ansonsten kann sich die IR-Platine verselbständigt haben, oder ein Kabel wird eingequetscht.
In jedem Fall ist dann etwas verkehrt und muss behoben werden. Die Front muss sich ohne viel Kraft auf das Chassis schieben lassen und dann an allen Bohrlochpositionen genau zum Gewinde im Chassis passen.
Im Bild oben ist übrigens noch ein Fehler. Die seitlichen Kunststoffblenden der Front kann man nur festschrauben, wenn der Gerätedeckel noch nicht aufgesetzt ist, weil sich die Schrauben hinter dem Deckel befinden.

Alle Kabel sollten nun wieder so geführt und verbunden werden wie vor der Reparatur. Kabelbinder nicht vergessen, und denkt auch an das Masse-Verbindungskabel zwischen Frontplatte und dem vorderen Kühlkörper.

Nun ist nur noch der Deckel wieder zu befestigen - für einen Testlauf funktioniert's aber auch ohne. Bitte behaltet aber im Hinterkopf, dass im Verstärker gefährliche Spannungen und Ladungen kursieren, also nicht unüberlegt einfach hineingreifen!
Der Deckel wird einfach von oben gerade wieder aufgesetzt und am besten setzt man zuerst die beiden Schrauben an der Rückseite wieder, das führt den Deckel an die richtige Endposition, dass dann auch die seitlichen Schrauben passen.

Voilà, das war's! Jetzt sollte der PMA-980R wieder spielen wie ein Neuer! Viel Spaß damit!

Kritik am Design des PMA-980R


Denon hat beim PMA-980R vieles richtig gemacht. Aber nobody's perfect, das gilt auch hier. Möglicherweise wären die Verbesserungen, mit denen der Verstärker ein ewiges Leben hätte, zu teuer gewesen.
Die hier beschriebene Problematik mit den Wahlschaltern hätte Denon eigentlich ganz vermeiden können. Wenn statt der 12-Positions-Umschalter ein optischer Encoder zum Einsatz gekommen wäre, wäre Korrosion nie ein Problem gewesen. Optische Encoder leiden höchstens unter Verstaubung, die ist dann allerdings deutlich einfacher zu beheben als die Korrosion tief im Inneren.
Hier hat man seinerzeit vielleicht nicht weit genug gedacht, oder es war zu kostspielig. Auch wenn ich glaube, dass der PMA-980R noch nicht mit geplanter Obsoleszenz entwickelt wurde, gab es im Jahre 1992 sicher schon Erkenntnisse über Probleme mit Korrosion an Metalloberflächen in solchen Geräten, immerhin sind bis dahin fast alle Verstärker mit Eingangswahlschaltern ausgestattet gewesen, die aus zig Metallflächen bestehen, die früher oder später eine Kur erfordern.
Man will sich gar nicht vorstellen, wie viele dieser feinen Geräte auf dem Müll gelandet sind, nur weil der Besitzer das merkwürdige Verhalten nicht eingrenzen konnte, und der Fachhandel vielleicht auch nicht.

Ein weiteres Problem tritt erst bei etwas ruppiger Behandlung zutage, z.B. beim Transport, oder wenn der Verstärker mal versehentlich herunterfällt. Wie man in folgendem Foto sieht, ist die Hauptplatine ziemlich groß. Sie füllt die gesamte Mitte zwischen den Kühlkörpern und die rechte Seite aus:


Die Platine ist tatsächlich nur an vier Stellen mit dem Chassis direkt verschraubt, jeweils in der Nähe der Kühlkörper zwei pro Seite. Rechts wird sie nur gehalten durch die Cinch-Terminals und die Metallkonstruktion über dem Motor-Potentiometer für die Lautstärkeregelung. An der Vorderseite fehlt jegliche Befestigung. Einige der Steckverbinder für die Frontplatine befinden sich genau dort und diese Ecke gibt ziemlich nach, wenn man von oben ein Kabel einsteckt, und dabei ist die Platine genau dort auch gebohrt, also war eine Halterung wohl zumindest vorgesehen. Auch sonst hätte die Platine ausreichend Platz für weitere Bohrungen zwecks Befestigung. Hier fehlen ganz klar sowohl am Chassis als auch auf der Platine Vorrichtungen für mindestens drei bis vier zusätzliche Befestigungen am rechten Rand.
Das geht so lange gut, wie das Gehäuse keine Beschleunigungen erfährt. Bei einem Sturz geht dann schnell ein Riss durch die gesamte Platine. Der Grund dafür ist nicht mal der unverschraubte Bereich rechts, sondern die fehlende Abstützung im Bereich der relativ schweren Pufferkondensatoren (die braun ummantelten in der Bildmitte oben).
Ein Blick von der linken Seite offenbart, dass unter der Platine von vorne bis hinten nur Luft ist 😟:

 Wenn der Verstärker herunterfällt, lastet das gesamte Gewicht der Elkos auf der recht dünnen Platine, und kann diese zum Reißen bringen.
Es wäre gut gewesen, hier einen Stützrahmen vorzusehen, mit dem die Platine und das Chassis verschraubt werden.
Einem 980R, der wohl früher mal abgestürzt war, dem man das aber äußerlich an keiner Stelle ansehen konnte, wollte ich durch Reparatur des Schadens zu einem neuen Leben verhelfen, leider waren jedoch der Riss und seine elektrischen Folgeschäden so schwer, dass das Gerät entsorgt werden musste.
Selbst wenn man die Platine wieder flickt, kann es noch unsichtbare Haarrisse geben, die Diagnose braucht viel zu viel Zeit, als dass man dies noch wirtschaftlich erledigen könnte.


Weitere Hinweise:

Ich empfehle ausdrücklich den reichlichen Einsatz einer Kamera, damit die Lage der Komponenten (Platinen, Schrauben, Bedienelemente, Kabelverläufe) dokumentiert ist. Immer gut, wenn man es nachher nicht mehr so genau weiß, wenn ein Bild die Sache deutlich zeigt, also lieber ein paar hundert Bilder zu viel machen als das entscheidende zu wenig.
Zur Aufbewahrung der Schrauben empfiehlt sich eine magnetische beschriftbare Matte. Notfalls tut es auch ein Stück Papier, das man sich entsprechend einteilt - dann aber auch windfreie Umgebung achten :)
Ein eigentlich selbstverständlicher Hinweis: Arbeiten am eingeschalteten Gerät ist lebensgefährlich - vor allem für das Gerät *g*. Also immer erst mindestens ausschalten, besser noch abstecken, damit beim versehentlichen Einschalten nicht die gerade vorher hineingefallene Schraube das Gerät für immer zum Briefbeschwerer macht. Energiespeicher wie Elektrolytkondensatoren, von denen ein Verstärker immer ein paar größere an Bord hat, sind ebenfalls gefährlich, auch lange nachdem das Gerät abgeschaltet wurde. Wenn man an diesen Bauteilen arbeiten muss, auf jeden Fall sicherstellen, dass sie zunächst vollständig entladen werden (z.B. über einen starken niederohmigen Leistungs-Widerstand oder eine Glühlampe - Spannung beachten!)
Arbeiten wie die hier beschriebene macht man am besten, wenn man viel Zeit und Ruhe hat. An vielen Stellen ist eine ruhige Hand und volle Konzentration gefragt. Und alles ist auf eigene Gefahr! Ich übernehme keine Verantwortung für Nachahmungsversuche, die schiefgehen! Für Reparaturen dieser Art gibt es heute diverse Internet-Foren und Experten, die den Auftrag gerne zu realistischen Preisen übernehmen. Und nach wie vor gibt es Radio- und Fernsehtechniker, die zwar teuer sind, aber es normalerweise auch hinbekommen sollten.

7 comments:

  1. Hat super geklappt, hab es an meinem PMA S10 MK2 durchgeführt....Deine Dokumentation ist der Burner!!! Tausend mal Dank

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  2. Perfekt. War schon echt genervt von meinem pma-980r. Dank deiner Anleitung habe ich als Leihe den Verstärker leicht reparieren können.Vielen dank

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  3. Ursprünglich wollte ich die Schalter aus Verzweiflung mit Kontaktspray fluten. Aber als ich diese super Anleitung gestern fand, habe ich es wie oben beschrieben richtig gemacht. Alles funktioniert wieder.
    Vielen Dank!!!

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    1. Super, Glückwunsch zur gelungenen Reparatur. Freut mich, dass ein weiterer echt guter Verstärker weiterleben darf. Viel Spaß damit!

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  4. Hallo! Vielen dank für die Info! Reparatur hat super geklappt. Wollte mir zunächst das auslöten sparen und habe nur die Platine ausgebaut und die Schalter mit reichlich Kontakt spray behandelt. Da die Kontakte aber innen liegen hat das nicht viel gebracht. Vorher sprangen sie Kanäle immer rum, dann ging die ganze Platine nicht mehr. Also Platine wieder raus, Schalter ausgelötet (mit Entlötlitze lötzinn entfernt, dann schalter einfach raus gezogen ) Schaltet demontiert und wie in der Anleitung die eigentlichen Kontaktflächen gereinigt. Alles wieder zusammen gebaut und der Verstärker funktioniert einwandfrei !

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    1. Hi Felix, Daumen hoch! Danke fürs Feedback.

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